Die blauen Leute

Heute vormittag hat es wie aus Kübeln hier in Angers geschüttet. Die Franzosen sagen dazu: il pleut, comme vache qui pisse (= es regnet, wie eine Kuh, die pisst). Da hab ich doch heute mal was nützliches gelernt! Die Leute von der Schule sind aber auch ansonsten Klasse. Fabrice, der directeur der Schule hatte letzte Woche ein Treffen für uns mit Moussa vereinbart. Moussa ist ein Tuareg us Mali, etwa 23 – 25 Jahre alt. Warum etwa?? Weil die Zeit für die Tuareg keine so grosse Rolle spielt. Wir haben Moussa über alles mögliche ausgequetscht und er hat bereitwillig und vor allem langsam und verständlich geantwortet. Er hat 10 Geschwister, aber 2 davon sind leider vor kurzem gestorben. Auch seine leiblich Mutter ist vor einigen Jahren gestorben, aber sein Vater hat ein zweites Mal geheiratet. Obwohl die Tuareg Muslime sind, haben sie keine Polygamie. Bei der Heirat sind vor allem die Eltern massgebend und manchmal auch ein Onkel. Denn die Ehefrau wird von der Familie ausgesucht. Nach sozialen, wirtschaftlichen und anderen wichtigen Kriterien. Scheidung ist bei den Tuareg auch möglich. Wenn der Mann sie fordert, wird sie sofort vollzogen, fordert die Frau sie ein, muss der Ehemann erst seine Zustimmung geben. Die Tuareg heissen auch „Die blauen Leute“, weil sie gerne und oft blaue Gewänder tragen. Moussa erklärte uns, dass Blau die Freiheit symbolisiere. Denn der Himmel ist blau und hat keine Grenzen, das Meer ist blau und hat keine Grenzen. Die Tuareg leben auch heute noch halbnomadisch über etwa 5 verschiedene Staaten verteilt. Da sie keine Grenzen anerkennen, gibt es natürlich oft Ärger mit den Regierungen. Viele Tuareg besitzen auch keinen Pass. Auf die Frage, ob Moussa sich denn nun als Bürger Malis oder als Tuareg fühle, antwortete er philosophisch: Ich bin ein Tuareg aus Mali! Er spricht neben seiner Muttersprache „Tuareg“ (da gibt es einen eigenen Namen für) noch Französisch, Englisch und etwa 4 bis 5 andere afrikanische Sprachen, wie die meisten Afrikaner eben multilinguell sind. André, der alte Ethnologe (ein Mitschüler hier), hat den armen Moussa dann noch besonders ausgequetscht über Stammes- und Familieneinteilung, Sitten und Gebräuche. Alles hochinteressant!! Ich habe Moussa dann noch über die islamischen Gewohnheiten gefragt, da im Senegal 95% der Einwohner Muslime sind. Es wird 5 mal am Tag gebetet, auch am Arbeitsplatz. Jeder hat so seinen kleinen Teppich im Zimmer und wenn es Gebetszeit ist, wird dieser dann im Büro ausgerollt. Als Europäer zieht man sich halt dann für diese 10 Minuten diskret zurück. Am Freitag um 14 Uhr strömt alles in die Moscheen, denn da ist für die Muslime der grosse Gebetstag. Das öffentliche Leben ist dann für etwa 2 Stunden nicht existent. Dannach geht es dann wieder ganz normal weiter. Und Wochenende haben wir im Senegal dann auch wie in Europa. Nur eines macht mir noch Kopfzerbrechen: das erste Gebet wird um 6 Uhr in der Frühe gesprochen. Und ich befürchte stark, dass um diese Uhrzeit auch schon der Muezin vom Minarett ruft. Naja, dann brauch ich wenigsten keinen Wecker mit nach Senegal nehmen!
So viel für heute, bis bald MUSTI

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