Die Franzosen und die Technik

Ich will hier nicht behaupten, dass die Franzosen von Technik nichts verstehen. Im Gegenteil, sie lieben die Technik und wenden sie ohne Gnade und ueberall an.

Hier im Hotel habe ich zum Beispiel wifi-Anschluss. Auf deutsch heisst das WLAN, also kabelloser Zugang zum Internet. Das ist ja nichts Neues. Aber in Paris gibt es ueberall wifi-spots. Sogar in groessern Parks kann man sich auf die Wiese setzen und im Internet rumspielen. In Toulouse ist mir jedoch noch kein wifi-spot aufgefallen.
Und die Franzosen lieben ihre Kreditkarte (=carte bancaire). Ob beim Einkaufen im Supermarkt um die Ecke, fuer die Autobahnmaut, beim Radlausleihen oder die Rechnung im Restaurant. Im Kino gibt es 2 Kassen zum Barzahlen und 3 Automaten fuer Kreditkarten. Die Fahrscheinautomaten in Paris und Toulouse nehmen zwar die Kreditkarte und Muenzgeld, aber keine Scheine! Das ist dann bloed, wenn man eine Zehnerkarte fuer 11,70 Euro loesen will. Nun koenntet ihr ja sagen, dann nimm doch auch deine Kreditkarte her. Aber meine Postbankkarte hat nur maestro und das ist hier nur noch am Postbankautomaten nuetzlich. „Zu viel Betrugsversuche mit diesem System“ meinte mein franzoesischer Kollege Eric.
Das Thema „Atomkraft“ ist hier besonders. Atomkraft ist toll, sagt der Staat, sagt der staatliche Berteiber EDF, sagen alle Parteien und Gewerkschaften. Ende Juli gab es mehrere Zwischenfaelle in hiesigen Atomkraftwerken. Was in Deutschland zu einem Skandal und zu riesigen Schlagzeilen in den Zeiungen gefuehrt haette, regt hier keinen Hund auf. Atomstrom kostet hier nur 11 Eurocent, ist daher billig und wird auch zu Heizzwecken eingesetzt. Aber nicht als Nachtspeicherofen wie bei uns, sondern als energiefressende Direktheizung. Mir wurde gesagt, ein Minister habe die Aussage getroffen, dass dieser Strompreis fuer sehr lange Zeit bestehen bleibt. Und das, obwohl der Strompreis anscheinend im letzten Jahr sauber gestiegen ist. Mit dem Thema „Atomausstieg“ steht man hier auf verlorenem Posten.
Ein weiteres Beispiel fuer die Technikverliebtheit sind die allfaelligen Codenummern. Klar, wir kennen alle die PIN unserer Kreditkarte, aber mehr brauch ich fast nicht daheim. Hier gibts eine Nummer, wenn ich spaet abends ins Hotel will. An normalen Wohnhaeusern gibt es einen Zugangscode, natuerlich fuer mein Radlabo und auch im MHH-Buero. Das fuehrt dann zu lustigen Situationen. Anfangs hatten wir noch nicht ganz gecheckt, wann wir den Geheimcode zum Ein- und Ausschalten des Ueberwachungssystems einzugeben haetten. Daher meldete sich immer wieder mal die Ueberwachungszentrale mit „identifiez vous = identifizieren Sie sich“ und wir sagten artig eine weitere Geheimnummer auf. Letzte Woche war Guenter, der Geschaeftsfuehrer von MHH Deutschland in Toulouse. Wir arbeiteten noch beide spaet abends, Eric war daheim, weil seine Eltern zu Besuch waren. So gegen 22 Uhr rief Eric an und meinte, er stehe draussen, das Tor zum Parkplatz sei zu, das war ja noch nie da und er haette keinen Code dafuer. Dadurch, dass ich dann im Buerogebaeude rumgelaufen bin, habe ich wieder mal Alarm ausgeloest (siehe oben) und wir standen wie doof vor dem verschlossenen Gittertor. Aber wir sind ja sportlich, also Raeuberleiter und Guenter und ich sind ausgebrochen. Mittlerweile haben wir auch diesen Code. Hoffentlich verliere ich nicht meine Aufzeichnungen mit all den Codenummern. Ich werd ja auch nicht juenger und da laesst das Hirn schon mal nach.

Aber nun genug gemosert und die Unterschiede festgestellt. Ich schaue mich auch natuerlich in Toulouse und der Umgebung um. Heute hab ich mit dem Leihradl von velo-Toulouse (www.velo.toulouse.fr) eine Radtour entlang des Canal du Midi Richtung Ramonville gemacht. Dieser Kanal wurde im 17. Jhd mit dem Zweck gebaut, das Mittelmeer mit dem Atlantik zu verbinden und geht von Narbonne ueber Toulouse nach Bordeaux. Dabei hat er als hoechste Stelle einen Berg von 194m zu ueberwinden. Am Rand gibt es schoene Wege, die im Schatten von Platanen liegen. Auf dem Canal stehen einige Hausboote, auf denen zu Mittag gegessen wurde und es kam ein Ausflugsschiff vorbei. Viele Radler, Jogger und Spaziergaenger nutzten das schoene Wetter fuer diesen gemuetlichen Ausflug . In Ramonville gibt es einen Stadthafen, der fuer mich einen Mittelmeercharakter hat. Im Hafen lagen groessere und kleiner Schiffe, daneben eine Schiffstankstelle. Und direkt am Hafen mehrstoeckige Haueser mit Balkonen und Blick zum Hafen. Dazu eine Geruchsmischung aus Brackwasser, Schiffsmotoren und warmen Pinienduft. Fast wie im Urlaub.

Am Samstag hab ich eine Stadtfuehrung des office de tourisme mitgemacht. Wir besuchten die Hauptsehenswuerdigkeiten von Toulouse. Ich muss jedoch zugeben, dass ich nicht alles verstand, was da gesagt wurde. Zum einen, da mein Wortschatz ueber Kunstgeschichte und Baukunst im Franzoesischen (noch) aeusserst eingeschraenkt ist. Und zum anderen rauchte mir dann irgendwann der Kopf und ich schalt mal kurz auf Durchzug. Eine Anekdote ist mir jedoch in Erinnerung geblieben: Am ehemaligen Stadthafen am Fluss Garonne, dem sogenannten Place de la Daurade, gibt es heute in einem kleinen Seitengebauede einen Kiosk mit Eis und Getraenken. Dieses Gebauede wurde wohl in den alten Tagen dafuer genutzt, um die aus der Garonne gefischten Wasserleichen aufzubahren. Mahlzeit!

Eine Antwort auf „Die Franzosen und die Technik“

  1. hi musti,

    sehr gut, dass du einem auf dem laufenden haelst, was in toulouse so passiert. hier verpasst du nicht viel. das wetter ist bescheiden, die loewen verlieren in freiburg … aber das hochzeitsfest von gack und franz war der hammer: so wird gefeiert. und jetzt noch ein hinweis fuer dich: die band der letzten jahre die black lips machen in toulouse halt und zwar am 27-09-08 im Printemps De Faveur. mukke gibt es unter http://www.myspace.com/theblacklips
    und unter
    http://www.black-lips.com

    die jungs rocken das haus, also hingehen musti, wenn du zeit hast. so dies auf dei schnelle aus dem verregneten oberland
    hausmann kai

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