Frage und Antwort

musti am 28. November 2000.
Kategorien: Musti im Senegal.

Heute werde ich nun mal einige Fragen beantworten, die mich aufgrund meines Aufrufes erreicht haben. Viel warens aber nicht.

FRAGE:
Inwieweit hast du Kontakt mit den Leuten in deinem Viertel?
ANTWORT:
Als Weisser in einem Wohnviertel wie Quartier Sam in Kaolack fällt man natürlich auf. Alle kennen meinen Namen. Wenn ich so rumgehe, weil ich zur boutique will oder vor zur Teerstrasse (in Sam gibt es nur Sandstrassen) dann kommt es doch immer wieder zu kleinen Gesprächen, wo ich herkomm, was ich mach usw.. In meiner Strasse hock ich öfters am Nachmittag vor meinem Haus und trinke mit Lamine (mein gardien = Hausmeister) und seinen Brüdern ataya (traditioneller, sehr süsser Tee). So kommt man mit den Leuten ins Gespräch. Und mit den Kindern sowieso, weil die wie überall auf der Welt unheimlich neugierig sind.
Die Art der Gespräche mit meinen Leuten im Viertel beschränkt sich aber eben meist auf das woher, wohin, warum hier. Oft kommt dann auch die Frage nach einem cadeau (Geschenk). Aber mit Lamine und seiner Familie kann ich auch ¨ber andere Sachen reden und mir so das Leben im Sénégal erklären lassen.

FRAGE:
Sind whities wie du nicht sehr begehrt bei den (bestimmt sehr schönen) Frauen?
FRAGE:
Wie sieht’s eigentlich bei dir so aus mit irgendwelchen Schneckelesbekanntschaften ausser den Mückenschwärmen? Gibt es eine Amour fou zu berichten?
ANTWORT:
Als erstes find ich es ja schon sehr nett, dass ihr euch so sehr um mein Seelenheil und Liebesleben kümmert. Oder wie meinte ein anderer Leser als Vorschlag, was ich schreiben sollte: “sex and crime ziehen immer”.
Was erwartet ihr von mir eigentlich?
Nein, ich bin noch nicht mit einer Sénégalesin verheiratet, auch wenn mir schon einige Töchter und Schwestern angeboten wurden. Zugegeben, die jungen Senegalesinnen sind schon ein Augenschmauss: schlank, gutgebaut und braungebrannt (haha) und mit ihren Kunsthaaren formen sie immer wieder gewagte Frisuren. In den Städten tragen sie dann auch noch sehr figurbetonte, lange Kleider mit Schlitz am Bein. Kann einem schon das Genick verreissen dabei.
Und wenn sie einen dann auch noch anlächeln, wirds noch heisser, als es eh schon ist.
Aber mal ganz ernsthaft, wenn ich jetzt mal von den Mädels in Kaolack ausgehe, gibt es da doch ein paar gewaltige Hindernisse um sich tiefer auf etwas einzulassen, finde ich jedenfalls: Sprachlich (da die Mädchen nicht alle auf die Schule gehen, sprechen auch nicht alle französisch. Meine Wolof-Kenntnisse sind aber sehr dürftig.), kulturell-traditionell-religiös (wir befinden uns hier im muslimischen Afrika).
Ich halte eine Beziehung zu einer Senegalesin nicht für unmöglich, aber doch nicht für ganz einfach. Dazu kommt noch, gerade hier im Viertel in Kaolack, der enge Kontakt untereinander, jeder kennt jeden. Wenn ich heute mit einer etwas anfangen würd, wär morgen das ganze Viertel informiert.
Natürlich sind Weisse, Männer wie Frauen, ziemlich begehrt.
Versprechen sie doch Reichtum. Sei es nur als Kurzzeitfreund für die Dauer des Aufenthalts in Afrika. Oder sogar eine Heirat mit Leben in Europa oder USA.
Finanziell springt immer was raus für die Familie. Ich will nicht sagen, dass auch echte Gefühle eine Rolle spielen können, aber ich glaube, irgendwo im Hinterkopf ist immer dieses “Weiss = Geld”. Ich werd ja täglich von den verschiedensten Leuten mit den unmöglichsten Sprüchen um Geld angehauen.
Sénégal und Gambia ist übrigens ein beliebtes Sextourismus-Land füer Frauen!

FRAGE:
Was ist dein Leibgericht?
ANTWORT:
Überhaupt oder hier im Sénégal? Ich vermisse hier die Mehlspeisen, wie Kaiserschmarrn oder Dampfnudeln. Und gutes Brot! Dieses lapprige Baguette ist auf die Dauer langweilig und schmeckt nach nix. Gut ist das Dorfbrot, was mit Holzfeuer gebacken wird. Das schmeckt wenigsten nach etwas, bekommt man aber in den Städten nicht oft.
Die traditionelle senegalesische Küche ist zwar nicht schlecht, zeichnet sich aber nicht gerade durch Abwechslungsreichtum aus, so wie man das in der Heimat gewöhnt ist. Hauptbasis ist mittags Reis und abends Hirse-couscous. Dazu gibt es abwechselnd Fisch (ceebu cien) oder Huhn (yassa ganaar) oder Rindfleisch (yassa yap). Das letztgenannte Gericht mit Erdnuss-sosse heisst Maffe und schmeckt mir ausgezeichnet. Was ich überhaupt nicht mag ist “soup de kandia”, eine Suppe aus Fischabfällen und einem sehr schleimigen Gemüse, der kandia. Äusserst gewöhnugsbedürftig. Wie das Ding auf deutsch heisst, weiss ich nicht. Das ist übrigens bei einigen Dingen so. Ich kenn den Namen auf Wolof, aber nicht auf französisch, z.B. nadju ist Kürbis. Sehr reichhaltig ist das Angebot an Fisch und Meeresfrüchten in den etwas besseren Restaurants und auch nicht teuer, selbst für hiesige Verhältnisse.

FRAGE:
Hast du schon Malaria, oder gibt es die da nicht?
ANTWORT:
Malaria gibt es im Sénégal sehr wohl und dazu auch noch die unangenehmste Form, die tödlich enden kann. Ich habe ein paar senegalsische Bekannte, von denen Angehörige dieses Jahr an Malaria gestorben sind. Die Hauptproblemzeit ist gegen Ende der Regenzeit, also August, September, Oktober, wo es Unmengen von Mücken gibt. Mein Kollege Christophe und ich sind dieses Jahr verschont geblieben, Allhamdulilah. Wir haben auch fleissig unser Resochine und Paludrine geschluckt (bloss kein Lariam!). Ausser hin und wieder etwas Durchfall und einem ordentlichen Biss eines Monsterkäfers (war sowas wie eine Verbrennung) kann ich glücklicherweise von nix berichten. Bin auch nicht scharf drauf hier grossartig krank zu werden.

FRAGE:
Bist du immer in der Stadt, und wie gross ist die?
ANTWORT:
Ich arbeite etwa zur Hälfte in Dakar und zur Hälfte in Kaolack. Dakar hat etwa 2 Millionen Einwohner und ist ein, wie ich finde, grausiger Moloch. Stau zu jeder Tages- und Nachtzeit, für Weisse ziemlich stressig, da einem ständig irgendwelche Händler und sonstige Banditen auflauern und auch kein Unterschied zu jeder x-beliebigen anderen Stadt dieser Grösse.
Man kann so ziemlich alles kaufen, kulturell ist auch was geboten.
Ihr seht schon, ich ziehe Kaolack vor. Kaolack liegt etwa 200 km, 3 Autostunden südöstlich von Dakar im Landesinneren. Trotz seiner 220.000 Einwohner ist es klein, überschaubar mit dem Stadtzentrum und in den Wohnquartiers eher ländlich und beschaulich. Selbst in Bad Tölz ist mehr los. In den drei Freiluftkinos in Kaolack laufen meistens Filme von Jean-Claude van Damme oder irgendwelche Shaolin-Schinken, indische Filme (Hindioriginal mit arabischen und französischen Untertiteln) oder Softpornos. Und in dem französischen Kulturzentrum ist alle 2 Monate was los.
Aber das Leben in Kaolack ist im allgemeinen angenehmer, stressfreier und am Wochenende kann ich ohneweiteres aufs Land fahren und Freunde oder andere volontaires besuchen. In Dakar, das auf einer Halbinsel liegt, fährst du eine halbe Stunde und bist immer noch nicht aus der Stadt raus. Wenn du in Kaolack mehr als dreimal in einem Geschäft aufgetaucht bist, dann gehörst du schon fast zur Familie und es kommt bei der Begrüssung unweigerlich zu der Feststellung “ça fait longtemps” = “es ist lange her, dass wir uns gesehen haben” und wenns erst vor drei Tagen war.

FRAGE:
Gibt es viele wilde Hunde?
ANTWORT:
Das ist mir eigentlich erst bei der Frage klar geworden. Ja, es gibt gerade in den Innenstädten viele Hunde und auch Katzen. Sie stellen jedoch in meinen Augen keine allzugrosse Bedrohung für den Menschen dar, abgesehen im Strassenverkehr. Interessanterweise sieht man am Strassenrand viele totgefahrene Hunde, aber keine Katzen. Heisst das nun, dass Katzen kleiner und schwerer zu treffen sind, oder dass Hunde zu doof sind?

FRAGE:
Arbeitest du eigentlich täglich im Team oder bist du auf dich alleine gestellt?
ANTWORT:
Mein Kollege Christophe ist Förster und arbeitet hauptsächlich in dem Dorf Nganda, etwa 2 Autostunden weg von Kaolack. Zum Wochendene ist er jedoch oft in Kaolack, um hier seine Freundin Meri, eine Japanerin, zu treffen, die in dem Dorf Ouadirou nicht weit von Kaolack arbeitet.
Teamarbeit oder alleine, dass ist etwa so Halbe-Halbe. Viele Diskussionen, gerade in Kaolack führe ich alleine. Wenn es jedoch ans Entscheidungen treffen geht, dann muss schon einer meiner Chefs dabei sein. Als kleiner volontaire kann ich da nix entscheiden. Natürlich muss ich oft nachfragen, wo ich was bekommen kann oder die Marschrichtung festlegen. Dafür gibt es dann die Kollegen. Ich bin aber doch viel auf mich allein gestellt, was nicht immer ganz einfach ist.

FRAGE:
Was verlangt der DED von dir, welche Ergebnisse sollst du vorlegen?
ANTWORT:
Um meine Situation zu verdeutlichen muss ich erst noch etwas vorrausschicken. Ich habe meinen Arbeitsvertrag beim Deutschen Entwicklungsdienst (DED) unterschrieben, der mich auch bezahlt. Die haben mich dann an die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) “ausgeliehen”, bei der ich nun im Projekt im Sénégal arbeite. Beide Organisationen werden vom deutschen Staat finanziert. Da der DED im Sénégal nicht arbeitet, werde ich von dessen Partnerorganisation betreut, der Association Française des Volontaires du Progresse (AFVP). Wie ihr seht, hab ich 3 Chefs! Und das kann manchmal ganz schön schwierig sein.
Was ich zu leisten habe, ist in meinen “termes de référence” dargelegt. Im Grunde einfach Mitarbeit im Projekt und den Operationsplan abarbeiten. Das Hauptziel ist es ein Energieversorgungskonzept für die Stadt Kaolack aufzustellen und die Ergebnisse in der Stadt St. Louis umzusetzen. Aber ich glaube, das erzähle ich ein andermal ausführlicher.

Weitere Anekdoten aus dem Sénégal:

Es ist schon verrückt. In Deutschland wollen die Mädels auf Teufel komm raus braun werden. Dafür schmeissen sie sich stundenlang in die Sonne und ins Solarium und riskieren den ein oder anderen Hautkrebs. Hier beneiden uns die Mädels um unsere weisse Haut und versuchen mit aller Gewalt bleicher zu werden. Dafür schlucken sie teure Chemikalien und nehmen Haut- und Gesundheitsprobleme in Kauf. Irgendwas stimmt da nicht. Ich denk mir gerade, dass die Spanierinnen z. B. die glücklichsten Frauen der Welt sein müssten:
Nicht zu bleich und nicht zu schwarz. Aber die haben dann sicher wieder irgendein anderes Problem.

Mein gardien (Hauswächter) Lamine hat mir vor kurzem eine nette Geschichte erzählt: eine seiner Schwestern hat ein Kind auf die Welt gebracht, ist aber mit dem Vater nicht verheiratet. Ist auch hier kein Weltuntergang. So ein Kind nennen sie jedoch hier “enfant de samedi” ein Samstagskind. Weil halt am Samstag immer die Feste sind und man da schon mal was Unüberlegtes macht.
Also liebe Freundinnen und Genossen, am nächsten Samstag aufpassen !

Bisher ein Kommentar.

ouadirou ali

Kommentar on November 15th, 2006.

hello.iam asking for information

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