Gambia

Dieses Tagebuch kommt aus Gambia, wo ich seit Freitag ein paar deutsche volontairs besuche. Sie sind mit dem gleichen Programm hier, mit dem ich im Senegal war. Und obwohl es auch ein gtz-Projekt ist und die Voraussetzungen die gleichen sind wie in dem, wo ich gearbeitet habe, kommt es mir so vor, als sei dieses Projekt in Gambia um einiges besser ausgestattet. In der Hauptstadt hat jeder der mittlerweile 11 volontairs sein eigenes Zimmer in einem der 3 Häuser. Alles mit einigem Komfort ausgestattet. Dazu hat jeder der hier arbeitet sein eigenes Auto. Da kann ich dann schon etwas neidisch werden.

Ich stelle mir halt nun wieder die Frage, woran diese bessere Ausstattung liegt. Daran, dass es so viele volontairs sind (und damit eine Lobby darstellen), oder daran, dass hier seit 10 Jahren volontairs arbeiten (in meinem Projekt waren Christophe und ich die ersten) oder daran, dass die Chefs hier einfach etwas fähiger sind als andere?

Aber nun zu interessanteren Geschichten. Wie ich euch erzählt habe, hat es hier recht kräftig geschüttet. So auch am vergangenen Freitag, als ich nach Gambia aufbrach. Ganz in der Frühe, tröpfelte es nur etwas in Kaolack und ich dachte mir, dass dieses Schlamassel nun endlich vorbei sei. Als ich aber gerade am gare routiere (Buschtaxibahnhof) ankam, fing es wieder so richtig zu schütten an. Ich sass dann im Taxi und wir warteten darauf, dass es voll wird. Bei so einem Sauwetter hat natürlich auch nicht jeder Lust zu reisen. Als ich gerade daran dachte, den letzten Platz aufzukaufen, kam ein verregnetes, fröstelndes Männlein ins Auto gestiegen und es konnte losgehen. Dachte ich zumindest und stellte fest, dass unser Taxi mal wieder zur Gattung der voiture sportive gehört, also zu den Sportwagen. Im Senegal bedeutet das, dass sich einige Teenager sportlich betätigen müssen, um mit Muskelkraft das Auto anzuschieben und es nach mehreren Versuchen zum Anspringen zu bewegen.

Bei der Tankstelle erlebte ich die nächste Überraschung. Unser Fahrer stieg aus und rieb seine Seite der Windschutzscheibe mit einer halben Zwiebel ein. Clever, dachte ich, so kann der Regen besser abperlen. Wie ich 10 Minuten später mit einigem Entsetzen feststellte, war dies keine zusätzliche Massnahme für eine bessere Sicht, sondern die einzige! Die vorhandenen Scheibenwischer funktionierten schlichtweg nicht. Und so raste das Taxi zwar mit verminderter Geschwindigkeit, aber immer noch den Wetter- und Sichtverhältnissen unangepasst über die mit Schlaglöchern übersäte Strasse über Nioro nach Keur Ayip, dem Grenzposten.

Gegen 11.30 Uhr kam ich etwas unterkühlt (trotz zweier Pullis) in Keur Ayip an. Ich fluchte leise vor mich hin, denn ich hatte mich um 11 Uhr mit Alex auf der anderen Seite des Flusses verabredet. Und dazwischen lagen noch die Grenzposten und die Fähre. Ein Taxi, das mich zur Fähre bringen wollte, war gleich vorhanden, nur ich jedoch der einzige von 4 möglichen Fahrgästen. Also warten. Was mir ja an sich nix ausmacht, aber wenn ich weiss, dass da jemand auf mich wartet, bekomme ich halt doch ein schlechtes Gewissen und werde etwas unruhig. Es hatte zum Glück zum Regnen aufgehört, nur der Wind war noch kalt und unangenehm. Ich verhandelte gerade mit dem Fahrer, dass ich 2 zusätzliche Plätze zahle, wenn er noch einen weiteren Fahrgast findet, als meine Rettung in Gestalt dreier Toubabs eintraf. Wie sich herausstellte 3 Australier, 2 Mädels, Leveana und Jen, sowie Jens Freund Jamie (Good day mate). Also weiter zu den Grenzposten der Senegalesen und der Gambianer. Das ist alles kein Akt, die wollen einem nix Böses und das Visum kostet auch nix, wenn da aber 4 Toubabs (=Weisse) auftauchen, mit 2 verschiedenartigen Pässen, dann wird das ganze zum Bilderbuch anschauen mit Märchenstunde. Unsere Pässe und alten Visas wurden von jedem Grenzbeamten genauestens untersucht und jeder von uns musste ein bisschen was von daheim erzählen. Irgendwann war auch das überstanden und wir konnten zur Fähre weiterfahren.

Während ich mich mit den Aussies unterhielt über das woher und wohin, versuchte mich der Fahrer auf Wolof zu überzeugen, dass wir mehr zahlen müssten, da wir unvorhergesehen an den Grenzposten halten mussten und überhaupt sei das ja viel Gepäck und blablabla. Nix gibt’s!

Und nachdem wir auch den Gambiafluss mit der Fähre überquert hatten (vorher noch ein bisschen warten) konnte ich gegen 14 Uhr meinem Kumpel Alex die Hand schütteln, drei Stunden später. Aber wir sind ja hier in Afrika. Eigentlich wollten die Aussies ja nach Osten, nach Georgetown, und Alex bot an, sie bis zum Taxiplatz zu fahren. Unterwegs ratschen wir noch etwas über die Vorzüge von Banjul und nach einer kleinen internen Meinungsfindung, fuhren die Aussies mit uns mit nach Westen. Es wurde sehr lustig.

Hier nun mal einige kleine Unterschiede zwischen Gambia und Senegal, was mir halt so auffällt. Das Englisch der Gambier ist weit schlechter als das Französisch der Senegalesen. Vielleicht habe ich mich in den eineinhalb Jahren auch gut daran gewöhnt, aber ich hab so meine Probleme mit dem Gambia-Englisch. Ich bevorzuge es dann doch in Wolof mit ihnen zu kommunizieren. Natürlich betteln auch hier die Kinder, nur dass sie im Senegal Geld wollen (Donne moi l’argent) während sie hier Stifte bevorzugen (give me pen). Mensch, wer schleppt schon einen Rucksack voller Kugelschreiber mit sich rum? Da die Gegend von Bajul und Serekunda gnadenlos touristisch ist, gibt es hier sehr viele der so genannten bumsters. Das sind junge Gambier, die dir helfen wollen, dein guide sein wollen oder sonst wie an deinem Reichtum teilhaben wollen. Sie sind genauso nervig wie in Dakar, nur sind sie hier zahlreicher. Mich können sie jedoch mit ihrer Anmache Guten Tag, wie geht’s, alles klar jedoch nicht im geringsten beeindrucken. Ich halte diese Kerle für etwas unterbelichtet.

Am Samstag spielte dann Alex unseren Tourguide und fuhr mit den 3 Aussies, den beiden neuen volontairs Ulrich und Anke und mir nach Banjul, der Hauptstadt Gambias. Wir sind auf den Arch 22, eine Art Triumphbogen, der neben einem kleinen Museum auch eine schöne Aussicht über Banjul bietet. Banjul hat etwa 100.000 Einwohner und das höchste Haus hat etwa 5 Stockwerke. Selbst im Vergleich zu Kaolack ein Kuhdorf, geschweige denn im Vergleich zum Moloch Dakar. Aber es sieht alles recht ruhig und angenehm verschlafen aus.

Später gingen wir dann noch über den grossen Markt, den Albert Market. Was mir sofort auffiel war die Sauberkeit des Bodens. Er sah frisch gefegt aus und es war kaum Dreck dort, ganz im Gegensatz zu den Schmutzbergen im Kaolack-Markt oder im Marché Sandaga in Dakar. Es war so sauber (relativ gesehen), dass ich sogar etwas Skrupel hatte, meine Orangenschalen wegzuwerfen. In Kaolack hätte ich da keinen Gedanken dran verschwendet. So liefen wir, eine Horde Toubabs über den Markt, betrachteten das Gemüse, die Fische wurden von ein paar fliegenden Händlern zugetextet und schlenderten mehr oder weniger gelangweilt an den Souvenirständen vorbei. An einem jedoch bissen sich die Aussies fest. Leveanna wollte eine Halskette erhandeln und Jamie nutzte die Zeit, um auf einem ballaphone (eine Art Xylophon) zu spielen. Und der Kerl kann wirklich gut spielen.

Einen Tag später am Strand zeigte er uns noch, was er in Dakar im Kora-Kurs (eine Art Harfe mit Gitarre gemischt) gelernt hatte. Einfach genial! Den Nachmittag verbrachten wir am Strand, planschten im Ozean und sahen einer Mädchentanzgruppe zu, die gerade einen Videoclip aufnahmen.

Am Sonntag verabschiedeten sich die Aussies dann doch Richtung up-country, nach Gergetown, und ich fuhr mit Alex, Ulrike und Ulrich nach Tanji ins dortige village museum. Dort gab es das übliche zu sehen: Tiere, Trommeln, Häuser, Handwerk. Das Beste für mich waren die Pflanzen, die als Getränk, Medizin oder Kosmetik benutzt werden. Ulrike meinte jedoch zutreffenderweise, dass die Exponate wieder mal erneuert werden könnten. Das Museum war schon recht nett gemacht, aber für Leute, die hier arbeiten, kann es natürlich (fast) nix Neues bieten.

Am Strand spielte der Hund von Ulrike und Alex mit einer Strandkrabbe. Diese hatte er sich vorher ausgebuddelt und schleuderte sie nun durch die Luft und hin und her. Als sie dann endgültig hinüber war, starrte er sie noch ein bisschen an und suchte sich ein neues Spielzeug. In diesem Moment war dieser Hund eigentlich ein ziemlich cleveres Kerlchen, im allgemeine könnte er jedoch ohne Probleme der Bruder von Rantanplan sein (der dämliche Hund von Lucky Luck).

Am Montag wurde dann wieder gearbeitet und ich schloss mich den Arbeitern an. Ulrike machte eine Einführung für die beiden Neuen, Ulrich und Anke, und dazu gingen wir in den Abuko National Park. Während die anderen paukten, lief ich herum, begutachtete verschiedenste Vögel, ein Krokodil beim Sonnenbad und schaute den Affen beim Herumtollen zu. In der Aufzuchtstation lungerten ein paar Hyänen mit 2 Jungen herum. Der Nationalpark ist ein herrlicher Dschungel mit etwas Savanne und Flusswäldern und sehr vielen Tieren, vor allem Vögeln. Eine grüne Mamba konnte sich gerade noch in Sicherheit bringen, als Ulrike mal kurz in den Busch wollte.

Den Nachmittag verbrachten wir in der Lamin Lodge, einem Restaurant in den Mangrovensümpfen. Diese recht grosse Haus ist aus Brettern zusammengezimmert und steht auf einem Steg mitten über dem Wasser, das hat dann so ein Flair von einem Baumhaus, recht hübsch. Und dieses Baumhaus war mit etwa 2 dutzend knallrot verbrannten Briten besetzt, die trotz des Sonnenbrandes immer noch in kurzen Hosen rumliefen und zumeist schon etwas zuviel vom Julbrew (Gambisches Bier) genossen hatten. Die Aussicht auf die Mangrovensümpfe vom ersten Stock des Hauses war wunderbar und man konnte wieder mal Vögel und Affen begutachten. Im Schlamm liefen Winkerkrabben umher und Schlammspringerfische krochen um die Wette. Diese Fische sehen aus wie Kaulquappen, werden bis zu 10 cm gross und besitzen neben den Kiemen zwei kräftige Vorderbeine mit denen sie dann über den Schlamm rutschen. Springen können sie auch recht gut und hoch und wenn sie dann mit ihrem Bauch auf dem Schlamm landen, macht es Pflatsch. Klingt ziemlich lustig. So ungefähr wie diese Schlammspringer stelle ich mir unsere Vorfahren vor, die vor ein paar Millionen Jahren beschlossen haben, dem Meer den Rücken zu kehren um sich früher oder später auf die Bäume zu begeben.

Da wir noch kein Mittagessen gehabt hatten, baten wir die Kellnerin uns etwas zu Essen zu bringen. Sie fragte uns, was wir denn wollten. Nein, dachte ich, ich bin schon zu lange hier in Afrika, so läuft das nicht und antwortete mit der Gegenfrage, was sie denn zu bieten hätten. Da müsse sie in der Küche nachschauen und verschwand. Etwas später kam sie zurück und berichtete uns, dass der eine Koch krank sei und der andere erst am Nachmittag käme. Aber sie könne uns ein egg Sandwich machen. Super, besser als nix. Während wir auf unser Sandwich warteten, lästerten wir über die roten Briten und sahen den Affen beim rumtoben zu. Einer hatte sich ein Päckchen Zucker stibitzt und musste es schwer gegen einen Kollegen verteidigen. Ulrike dagegen musste ein Teil ihres egg Sandwiches mit einem dieser Affen teilen, der sich unbemerkt von hinten herangeschlichen hatte und dann blitzschnell zuschlug.

Heute entspanne ich mich noch in Gambia und werde morgen mit ein paar der deutschen nach Senegal fahren: Die wollen weiter nach Dakar und können mich so in Kaolack absetzten. Das spart Zeit, Geld und ist vor allem viel bequemer.

4 Antworten auf „Gambia“

  1. danke dir lieb für deinen sehr interessanten und – mir – sehr nahe gehenden bericht….smile… deine zeilen zu lesen, ist fast wie dabei gewesen zu sein…danke…angelika

  2. also ich war auch in gambia und was die bumsters betrifft hat dessen dasein echt nix mit unterbelichtet sein zu tun.

    denk mal drüber nach…………..

  3. also ich war auch in gambia und was das da sein dein der bumsters betrifft hat dessen verhalten nix mit unterbelichtet sein zu tun.

    denk mal drüber nach…………..

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