Hitze und Palmwein

Die letzten Tage, 7. bis 11. Mai, war es in der Gegend um Kaolack einfach unbeschreiblich heiss und es hat immer wieder einen Sandsturm gegeben. In meinem Haus hätte ich nach 2 Tagen heftiger Winde ohne weiteres eine Sandburg bauen können.

Am Montag habe ich in der Nähe von Nganda gearbeitet und mir auf ein paar Döfern zeigen lassen, wie man einen verbesserten Herd für Feuerholz baut. In Wolof heisst dieser Herd „Ban ak suuf“, auf Deutsch „Lehm und Sand“ Ein anderes deutsches Projekt hatte dort gerade eine Truppe von Ausbildern und ich konnte alle Schritte des Ofenbaus mitverfolgen: wie die Frauen den Lehm stampfen, ihn mit Sand, Wasser und Hirsespelzen vermischen und wie das ganze dann zu einem Herd zusammengebastelt wird. Zur gleichen Zeit bauen die Männer in den Dörfern Staudämme aus Steinen und Holz, um die Bodenerosion, die durch die starken Regengüsse hervorgerufen wird, in den Dörfern und den Feldern drumherum aufzuhalten. In einem Dorf war es so krass, dass es durch einen mehr als 2 Meter tiefen Graben zweigeteilt wurde. Sie hatten sogar schon eine Holzbrücke über den Graben errichtet. Das erinnerte mich etwas an „Asterix, Der grosse Graben“.

Am Dienstag führte ich in Ndoffane, einer Kleinstadt eine halbe Autostunde von Kaolack, meine Umfrage über Kerosinkocher durch. Dort waren der Sturm und die Hitze unerträglich. Ständig flog Sand in der Gegend rum, man sah fast nix und der Sand war überall, ziemlich lästig sowas! Selbst der Wind bringt kein bisschen Abkühlung, denn er ist so heiss wie die Luft in einem Backofen und brennt richtig in den Augen und auf der Haut. Und wieder mal das alte Problem bei dieser enormen Hitze: ich kippe oben unheimlich viel Wasser in mich rein und unten kommt nix raus. Das mag für euch lustig und vielleicht sogar angenehm klingen, aber auf die Dauer kann das schwerwiegende Nierenprobleme geben. Zu allem Übel kam noch hinzu, dass es ab Dienstagvormittag kein Wasser im Haus gab. Diese totale Wassersperre, die ich noch nie erlebt hatte, dauerte etwa 24 Stunden. Und halb Kaolack war davon betroffen. Es ist ätzend, wenn man sich den Sand und den Schweiss nicht wegduschen kann, wenn die Klospülung nicht mehr funktioniert. Trinkwasser kann man sich ja zum Glück im Supermarkt kaufen. Ich sags euch, liebe Freunde, da macht man was mit. Und natürlich gab es als Zuckerl in unregelmässigen Abständen Stromausfälle, das heisst, keinen Ventilator mehr!.

Und das alles angeblich wegen Touba. Denn am Wochenende vom 12. Mai ist wieder Magal de Touba gewesen, die Wahlfahrt zu den Marabouts (religiösen Führern) in der den Senegalesen heiligen Stadt Touba. Etwa 2 Millionen Senegalesen (von 8 Millionen insgesamt) werden dort hinfahren. In überfüllten Bussen, an den Zügen hängend und oben auf den überladenen Lastwagen sitzend. Und deswegen wurde schon mal Wasser dorthin gepumpt, sagt man. Merçi Serigné Touba (Danke, Herrscher von Touba)!

Zur gleichen Zeit ist in St. Louis, im Norden des Landes, das Jazzfestival, aber ich bin nicht dort. Ich könnte sowieso erst am Freitag fahren, da ist aber wegen der Magal garantiert kein Taxi zu bekommen und mir ist da auch viel zu viel Verkehr auf den Strassen.

Temperaturaufzeichnung von Freitag 11/05/01 gegen 16.15 Uhr in meinem Garten in Kaolack, im Halbschatten und bei leichtem Wind : 49°C! Das ist kein Witz und selbst für die Einheimischen zuviel. Beim Begrüssungsritual wird zur Zeit gefragt «Naka tanga bi?» (Wie ist die Hitze?) Eine gute Antwort ist «Tanga na torop!» (Es ist sehr heiss!).

Am Samstag, den 12/05/01, bin ich wieder mal zu meinen französischen Freunden Veronique und Stéphane nach Sokone fürs Wochenende gefahren. Dort angekommen sind wir mit Auguste Diatta in sein Dorf gefahren. Dies war wieder mal was Neues für mich, eine christliche Diolafamilie zu besuchen. Die Diola machen gerade mal 5% der Bevölkerung Sénégals aus und die Anzahl der Christen beträgt auch so um die 5%. Das Dorf ist an einem kleinen Fluss gelegen, damit die Diola, wie das so bei ihnen üblich ist, ihren eigenen Reis anbauen können. Denn die Diola kaufen nur ungern fremden Reis ein. In der Familie Diatta trafen wir auf Paul, das Familienoberhaupt, der zwar die 70 schon überschritten hat, aber immer noch ziemlich fit ist und ein sehr gutes Französisch spricht. Die Leute freuten sich sichtlich, dass ich sie in ihrer Sprache, dem Diola, begrüssen konnte.

Die Frauen waren gerade dabei, aus den pommes d’acajou (=Apfel der Cashew-Nuss) Saft zu machen: Vom Apfel die schlechten Stellen wegschneiden, dann die Äpfel in einen schiefen Trog legen und zerstampfen und ausquetschen. Unter dem Loch im Trog steht ein grosser Topf, der mit einem Tuch als Sieb überspannt ist und in dem der Saft aufgefangen wird. Der Saft wird dann meist in grösseren Plastikkanistern in die Sonne gestellt, wo er zum Gären anfängt. Sie bezeichnen dass dann als Wein bzw. Bier des pomme d’acajou.

Wir sassen also rum, diskutierten und tranken Saft des pommes d’acajou und Palmwein. Paul drehte sich hin und wieder ein Zigarettchen und erzählte nette Geschichten. Der frische acajou-Saft schmeckt nicht schlecht, aber beisst etwas im Hals, wie auch der Apfel selber. Der vergorene Saft jedoch schmeckt und riecht wie ein alter Käse, das ist nicht unbedingt meine Sache. Auch Stéphane verzog leicht das Gesicht. Da halte ich mich lieber an den Palmwein. Der schmeckt weich und sanft und macht nicht gleich betrunken, was ziemlich gefährlich ist. Der Palmwein wird folgendermassen gewonnen: kurz unter den Blättern wird die Palme am Stamm eingeschnitten und der dann austretende Saft (das Harz?) mit am Baum festgebundenen Flaschen aufgefangen. Je länger der Saft rumsteht, desto mehr Alkohol entwickelt er.

Während wir also mit den Männern quatschten und die Frauen Saft machten versammelte sich ein wahrer Tierpark auf dem Hof: Esel, Hühner, Enten, eine schöne, schwarze Katze, und eine Muttersau mit zwei Ferkeln. Was halt alles so zu einem guten Haushalt in Afrika gehört. Als Paul eines der Ferkel fing, um es zu markieren, quiekte es wie wild, als ob es schon am Spiess hinge. Sofort kam die Muttersau in einem Wahnsinnstempo angerast und grunzte wütend. Aber mit ein paar Tritten wurde sie schnell verjagt.

Etwas später sind wir, Veronique, Stéphane, Auguste, und ich zusammen mit dem Hausäffchen spazieren gegangen. Das Äffchen ist ein singe rouge (roter Affe) und ist recht zahm. Zur Zeit ist es beim Haus angekettet, da er sonst sofort auf den im Hof stehenden Mangobaum klettern würde und alle Mangos aufessen würde. Ausserhalb der Mangozeit hupft es frei in der Gegend rum. Wir sind über die Felder gezogen hin zu den Cashew- und Mangobäumen (Achtung Schlangen!) und weiter zum Fluss, wo die Reisfelder angelegt werden. Eine ganz andere Natur als die um Kaolack. Grün, viele Bäume, vor allem Palmen. Im Fluss schwimmen Seerosen und es gibt viele Vögel, enorm viele Fischreiher. Weiter hinten dann ein paar Sumpfausläufer, wo sich angeblich auch ein Krokodil befinden soll.

Seit die magal de Touba vorbei ist, gibt es keine Stromausfälle mehr und das Wasser plätschert munter aus meinem Wasserhahn.

2 Antworten auf „Hitze und Palmwein“

  1. Der Bericht ist wirklich sehr schön , Zur Zeit bin ich in Deutschland, aber ein bisschen in Senegal getaucht während des Lesens

  2. Diese Landschaft entschpricht wahrscheinlich die Umgebungen von Jaglé, Sandicoly oder Badoudou. Bin in Sokone augewachsen. Extrem schöne Ecke!

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