Kunstfestival DakArt (5.Mai bis 5.Juni)

Die DakArt ist eine einmonatige Kunstbiennale. Für alle, die jetzt keinen Duden zur Hand haben : Biennale bedeutet, dass dieses Event nur alle 2 Jahre stattfindet ! Überall in der Stadt gibt es Ausstellungen, Filme und Konzerte. Endlich mal was los hier im Busch. Bei den Events ist die Toubab-Dichte (=die Weissen) erheblich höher als im normalen Alltag. Bei Eintrittspreisen von 2.500 CFA für eine Modenschau ist das nicht unbedingt verwunderlich. Aber das Publikum auf den Vernissagen und sonstigen Veranstaltungen ist zum Teil genauso dekadent wie in Europa, das beruhigt dann wieder. Angefangen hat das ganze Spektakel mit dem Carneval de Dakar. Wir haben stundenlang gewartet bis dann der spärliche Zug vorbeikam, in 10 Minuten war es auch dann schon wieder vorüber. Der Umzug bestand aus viele galleches (kleine Pferdekutsche), auf denen Leute mit Kostümen sassen, die man aber dadurch eigentlich nicht richtig sehen konnte. Dann kamen 3 LKWs mit Anhängern, auf denen Jugendliche hockten und Lärm machten (love parade à la Dakar). Zu Beginn der DakArt habe ich mir gleich 3 Vernissagen angetan. Die erste war in der Galerie Nationale und stellt Werke von afrikanischen Künstlern aus. Sehr schöne Arbeiten aus Holz oder Stoff, modern, aber doch irgendwie den Traditionen verhaftet. Ein Ausstellungsstück war auf den ersten Blick nicht als solches erkennbar und die Geschichte dazu ist bemerkenswert. In einer Ecke war eine Brillenwerkstatt ausgestellt. Das ist hier ein Tischchen mit vielen Brillen und Werkzeugen, welches normalerweise an einer Strassenecke steht. Nanu, fragt sich der dakarois (=der Bewohner von Dakar), sowas ist doch jeden Tag auf der Strasse zu sehen. Also Alltagskunst. Wie ich aber erfahren habe, war das eigentliche Ausstellungsstück des Künstlers noch am Flughafen irgendwo in der Zollkontrolle und bis zu Beginn der Vernissage nicht zu bekommen. Da ist der Maezen am Mittag kurzerhand in die Medina (ein ärmerer Stadtteil von Dakar) und hat einem verdutzten Optiker seine Werkstatt für sage und schreibe 2 Millionen Franc CFA (ca. 6.000 DM) abgekauft !! Wenn man bedenkt, dass unser nationaler Forstkoordinator mit etwa 1.000 DM ein sehr gutes Gehalt bekommt, dann kann man sich vorstellen, dass jetzt in der Medina ein ziemlich verdutzter Senegalese sitzt. Ob das der Sinn der Kunst ist ? Wir sind dann weitergezogen zur Vernissage im Goethe-Institut mit der Hoffnung, dass es da etwas zu essen und zu trinken gibt. Und die dort ausstellenden Schweden haben uns nicht enttäuscht, lecker war es. Die Bilder dort waren jedoch nicht so toll. Ich habe mich dafür mit einer schwedischen Künstlerin unterhalten, die ebenfalls in Dakar ausstellte.Nach einiger Zeit sind wir dann zu ihrer Vernissage gepilgert. Dort gab es zum Beispiel sehr interessante Schwarz-Weiss-Fotos aus ihrem Familienalbum, auf denen die Personen absolut geschwärzt sind. Das gibt den Personen etwas schattenhaftes, gespenstisches. Mit der Künstlerin, Maria Meisenberger (ihr Vater ist Österreicher !!) habe ich mich noch einige Zeit sehr gut unterhalten. Da sie nur 9 Tage im Sénégal war, ist anzuzweifeln, ob dies zum Kulturaustausch gereicht hat. Ob die Senegalesen jedoch viel mit ihren Bildern anfangen können, ist ebenfalls fraglich. Sontagabend besuchte ich ein Konzert mit senegalesischer Musik (Eintritt 500 CFA). Zum Glück keine Veranstaltung nach dem Motto “Musikantenstadl goes Sénégal“, dafür waren zu viele Einheimische anwesend. Die Bands kamen zum Grossteil aus dem Süden Sénégals, der Cassamance. Nette Lieder und schöne Kostüme, die Tänze bestehen hauptsächlich aus sehr schneller Beinarbeit. Besonders witzig war es, als immer wieder Leute aus dem Publikum auf die Open-air-Bühne gesprungen sind und mitgetanzt haben. Das gab dann einen Riesenjubel und grosses Gelächter. Zu euerer Beruhigung : Ich habe mich an diesen Tänzen nicht beteiligt. Mittwochs habe ich dann eine Modenschau einer senegalesischen sowie einer Modedesignerin aus Mali angesehen. Ein Haufen Leute der Modeszene aus aller Welt waren anwesend, genauso verrückt gekleidet und sich benehmend, wie man es von diesen Leuten eben erwartet. Die gezeigten Kleider waren sehr schön, in den buntesten Farben. Zum Teil hatten die Kleider den traditionnellen Schnitt des Boubou (etwa wie ein weites Nachthemd), aber auch Kleider europäischen Zuschnitts. Ein Kopftuch ist hier immer ein wichtiger Bestandteil der Kleidung. Ein Kleid jedoch hatte mich besonders fasziniert : ein langes Abendkleid in knallorange (etwa die Farbe der Sicherheitswesten), dazu ein Kopftuch in dunkelviolett. So eine Kombination kann aber nur eine Schwarze tragen, bei einer weissen Frau sieht das wahrscheinlich besch… aus, ebenso wie türkis. Eine Toubab-Frau sieht in sowas noch bleicher aus. Dass natürlich auch die Modells meine ungeteilte Aufmerksamkeit fanden, brauche ich wohl nicht zu erwähnen, wozu geht MANN denn sonst auf eine Modenschau !

Eine Antwort auf „Kunstfestival DakArt (5.Mai bis 5.Juni)“

  1. “Sometimes I want a book to break loose with a bunch of hooptedoodle. Spin up some pretty words maybe or sing a little song with language. That’s nice. But I wish it was set aside so I don’t have to read it. I don’t want hooptedoodle to get mixed up with the story.” ~ John Steinbeck from Sweet ThursdayJamie Grove – How Not To Writes last blog post..

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