Landwehrstr. 28 – Webdenkmal für MIR

Das MIR war eine Art illegitimer Nachfolger und gleichzeitig einziger würdiger Thronerbe von Radio RIM. Dieser in der Bayerstraße 25 ansässige Laden war der Geburtsort von Münchens „Elektronikmeile“. Keimzellen waren die Firmen Ezetka-Industrie GmbH und Radiola-Industrie GmbH, die sich 1925 in Radio-Industrie München oder kurz „RIM“ umbenannten. Radio RIM verkaufte Elektronik-Bausätze, auch per Versandhandel, und wurde für Deutschland das, was Radio Shack für Amerika war. Die Kataloge beziehungsweise „Jahrbücher“ von Radio RIM enthielten zahlreiche Schaltpläne und Bauanleitungen und waren dadurch – um innerhalb der internationalen Vergleiche zu bleiben – eine Art deutsche Variante von Popular Electronics. 1991 wurde Radio RIM von Conrad Electronic übernommen. Zwei Jahre vorher hatte der langjährige RIM-Abteilungsleiter Erwin Mannhardt zusammen mit Wolfgang Pfleghaar ganz in der Nähe von Radio RIM das MIR gegründet, das – aufgrund der umgedrehten Buchstabenfolge, des ähnlichen Corporate Design, der Produktpalette und der Kompetenz der Verkäufer – von vielen Bastlern als eigentlicher Nachfolger von Radio RIM angesehen wurde. 1995 zog der Laden in die Landwehrstr. 28 um, wo er auf dem Höhepunkt des New Economy Booms 2000 noch einmal vergrößert wurde. Im MIR gab es neben elektronischen Bauteilen auch fast alle Kabel und Adapter – teilweise für 1/10 des Preises der Läden in der Umgebung – und „Beratung“ war kein Euphemismus für das Aufschwätzen überteuerter Ladenhüter (wie in den großen Elektronikmärkten). Nicht nur die Disco Spiegelkugel von Superberti stammt aus dem MIR, auch DJ Mooner wurde beobachtet wie er seltsame große Geräte herausschleppte – zum Musik machen, wie der Fahrradlenkerspieler von Deutsche Asphalt vermutet.

Die teuren Läden gibt es noch, aber das MIR verschwand Ende letzten Jahres ins Internet, wo nur mehr Motoren und Endstufen angeboten werden. Fast ein Beweis, dass die neoklassische Theorie der Preisbildung und der Entwicklung des Kapitalismus nicht ganz stimmen kann.

In der Landwehrstraße 28 befindet sich jetzt ein Laden für Legasthenikerbedarf und/oder Damenhandtaschen

In der Landwehrstraße 28 befindet sich jetzt ein Laden für Legasthenikerbedarf und/oder Damenhandtaschen

54 Antworten auf „Landwehrstr. 28 – Webdenkmal für MIR“

  1. Hallo Herr Rommels ich habe mit großem Interesse Ihren Artikel zu Radio RIM gelesen.
    Vor vielen, es ist eine Ewigkeit her und ich weiß heute nicht mehr in welchem Jahr es war, hatte ich das große Glück den Meister der Werkstatt persönlich kennen zu lernen. Ich habe mir zu damaliger Zeit ein sehr großes Mischpult mit den Bausätzen der Firma zusammen gebaut und der Meister hat dann freundlicherweise die Feinabstimmung gemacht.
    Wir haben und sehr gut verstanden, obwohl ich ein „Sau-Preusse“ war hatten wir viel Spass. Wir haben uns dann aber durch viele Umstände aus den Augen verloren und nie wieder Kontakt gehabt. Da Sie dort in der Werkstatt gelernt haben könnten Sie mir vielleicht den Namen und vielleicht auch den jetzigen Wohnort nennen. Ich habe nur noch in Erinnerung, dass der Meister damals in München – Fasanerie ein Haus hatte, schon in Scheidung lebte und ich bin der Meinung sein Name war Seppl.
    Ich würde mich freuen wenn Sie ein paar positiver Antworten hätten. Vielen Dank im voraus für Ihre Bemühungen.
    Sie erreichen mich mit der Mailadresse.
    Mit freundlichen Grüssen
    Silvano Lucardo von der Insel Teneriffa

  2. Auch ich entsinne mich einmal bei RADIO RIM reingeschaut zu haben. Leider damals als Schueler kein Geld fuer Hallspirale, Mischpult und UKW-Senderbausatz gehabt. Aber diese Bausaetze hatten es mir angetan und mein Rundfunkinteresse weiter geweckt. Auch heute gaebe es (wieder) einen Markt fuer aehnliche Bausaetze. Natuerlich angepasst an die jetzigen Technologien. Aber es gibt auch wieder Leute die gerne mal wieder Magische Augen und Nixie-Roehren zum Gluehen bringen wuerden.

  3. Helmut – zum 2. – schön, dass es immer noch die Erinnerungen an den guten Radio-Rim gibt. Ich erinner mich noch an eine Schaufensterdeko, wo ein Leistungsgenerator eine 35cm Elektrovoice Basslautsprecher 3 Monate lang mit ca 0,5 Hz offen liegend „atmen“ liess. Das machte schon Eindruck. Die Elektrotechnik und das Interesse dafür hat nachgelassen, auch weil die Löhne dermassen in die Knie gingen. Die Jugend macht sich lieber wichtig auf die sog. Geschwätzwissenschaften, wo den Mitmenschen gnadenlos geholfen wird und sie mit besserwisserischen Tip versoacht oder wie heisst das Coach, werden, bis es einem zu den Ohren wieder rauskommt. Und wer für die Konzentration auf Probleme in Ingenieursniveau zu matt ist, der schimpft sich dann halt Künstler oder Pädagoge und bekommt dann mehr Geld – und Frauen :-) – das ist leider zusammen mit der extremen fortschreitenden Technik die Ursache für das Aussterben des Elektronikers, so wie wir ihn kennen und lieben – Schade !!! Ach da war nochwas…

  4. da kommt noch was ganz kurz – Anfrage es gab eine Gitarrenfilterkarte von RIM, in diskreter Schaltung, mit Kuhschwanz + eine Präsenz-Einstellung, bestückt mit BC107 – Hat da jemand den Schaltplan, ich könnte zwar selbst was entwickeln, aber das Originalschaltbild hätt ich gerne, da die Präsenz perfekt dimensioniert war und besten Klang lieferte. es war soweit ich erinnere, an die OP-Schaltung angelehnt. meine spamgewöhntes postfach wäre für Kontakt offen : si-goerg ( ät ) gmx . de – gibts noch Wunder :-)

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