Maria Himmelfahrt

So liebe Freunde, ich bin euch wieder mal einen Tagebucheintrag schuldig. Der letzte ist ja schon eine Weile her. Aber es ging hier etwas drunter und drüber. Wie ihr ja mitbekommen habt, habe ich mittlerweile gekündigt. Die Zusammenarbeit mit meinem deutschen Chef war schon seit Monaten etwas schwierig. In der letzten Zeit ist es aber dann eskaliert und ich habe die Konsequenzen gezogen. Irgendwann ist es auch mit meiner königlich bairischen Ruhe vorbei. Und nun soll er sehen, wie er ohne mich zurecht kommt. Es war keine leichte Entscheidung, aber es ist besser so für mich.

Nun aber zu was erfreulicherem. Am 15. August war auch im Senegal Maria Himmelfahrt. Und das habe ich dieses Jahr auch gefeiert. Nicht dass ihr jetzt denkt, ich bin zum Heiligen geworden, aber die Religiösität ist hier sehr stark, stärker als bei uns und daher für mich interessant.

Ich bin mit Wendelin (Praktikant aus Stuttgart) und Carmen (einer Freundin aus München) nach Fadiouth gefahren, um dort die Familie von Magui (kurz fuer Maguerite) Diouf zu besuchen. Bei dieser Familie war ich schon mal mit meiner Mutter, so dass es ein riesen Hallo gab, als ich wieder dort auftauchte. Wir wurden in das beste Zimmer im Haus untergebracht, Matratzen am Boden und es tröpfelt nicht rein beim Regen. Am Dienstagabend, dem Vorabend des Festes, sind wir noch ein bisschen durch die Gässchen der kleinen Insel gewandert. Am Abend sollte es dann eine Tanzveranstaltung geben auf dem Dorfplatz. Alle, die dieses Jahr 30 werden, dürfen mitmachen. Aber leider gab es so gegen 21 Uhr einen Stromausfall. Als wir dann sahen, dass es auf dem Festland Strom gab, war Joseph, ein Bruder von Magui, sichtlich böse. Er meinte, das machen die mit Absicht, um unser Fest zu versauen usw. Man muss dazu sagen, dass die Insel Fadiouth hauptsächlich von Christen bewohnt wird, während der Senegal zu 90% Muslime hat. Da können schon solche Gedanken kommen. Aber irgendeiner hat dann noch einen Generator aufgetrieben und so konnte die Fete steigen. Alle Mitwirkenden hatten Gewänder aus dem selben Stoff an, was sehr hübsch anzusehen war. Und getanzt haben sie wie die Wilden bis spät in die Nacht.

Am Mittwoch morgen sind wir in die frisch renovierte Kirche, ein sehr schöner sechseckiger Bau, hell und freundlich. Am Kirchturm ist ein grosses Kreuz aus blauen Neonröhren, was nachts leuchtet und darüber ein grosses rotes Herz (das leider nicht leuchtet). Die Kirchgänger hatten alle wunderbar bunte Kleider an, der Chor sang mit Trommelbegleitung (weit besser als unsere Grabesgesänge beim Gottesdienst) und der Gottesdienst wurde in der Einheimischensprache Serer abgehalten. Irgendwann glaubte ich das Vaterunser zu vernehmen.

Am Nachmittag sind wir im Wasser rumgewatet und haben beim Krebsefangen zugesehen. Auch nicht so ganz einfach, die Viecher sind flink.

Dieses Jahr regnet es in der Region Kaolack zu wenig. Anouar, ein libanesischer Bekannter von mir sagte, dass im Vergleich zum letzten Jahr 90mm weniger gefallen sind. Bei einer Gesamtregenmenge von etwas unter 800mm ist das gravierend! Ich merke das auch, da letztes Jahr in Kaolack alles voller Schlamm war und ich arge Probleme mit meinem Motorrad hatte. Dieses Jahr kann ich problemlos in Kaolack rumdüsen. Auch Amidou, ein Reisbauer, hat arge Sorgen, denn die Reisfelder sind zu trocken. Er pflanzt auch seine Reissetzlinge noch nicht ins Wasser um, denn bei dem wenigen Wasser würden sie ihm verkochen. Und die Hirse wird langsam gelb. Wenn da nicht bald ausreichend Regen kommt, siehts düster aus!

In Sokone hab ich 2 französische volontaires, Veronique und Stéphane, sowie den Ami Jonathan besucht und es gab lecker phacochère (Wildschwein). Der gewilderte Wildschweinschlegel wurde in Rotwein eingelegt und den ganzen Nachmittag auf kleiner Flamme geköchelt. Am Abend dann mit Reis und Kartoffeln, eine erlesene Mahlzeit, die auch den Senegalesen (Christen!) geschmeckt hat.

Soweit für heute

MUSTI

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