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musti am 16. Januar 2001.
Kategorien: Musti im Senegal.
Und ich verstehe nun ganz gut die liebe Birgit, die nach einer Rückkehr nach London meinte: “Ich hätte euch Pappnasen am liebsten in meinen Koffer gepackt und mitgenommen.” Und genauso fühlte ich mich bei meinem Abflug auch.
Schön war’s und anstrengend zugleich, da ich einen Haufen Leute getroffen habe und auch treffen wollte. Dass es kein Erholungsurlaub wird, war mir ja im voraus schon klar. Ich hab mich sehr gefreut, viele meiner Freunde wiederzusehen.
An dieser Stelle möcht ich mich ja nochmal ganz herzlichst für den tollen Empfang am Flughafen bedanken. Wer nicht dabei war, hat echt etwas verpasst. Mein Wunsch nach rotem Teppich und Blasmusik wurde mehr als erfüllt, Bier und Breznkranz und tausend Umarmungen. So komm ich gerne wieder nach München. DANKE!
Bei meiner Mutter gab’s auch dann erst mal Schweinsbraten, Sauerkraut und Knödel, a gscheids Essen halt, ned a so an Reispampf wie im Sénégal.
In den ersten Tagen in München hatte ich schon noch so ein Realitätsproblem. Ich musste erst langsam die Realität Sénégal mit der Realität München in Einklang bringen. Noch hatten sie ja nichts miteinander zu tun, waren noch nicht verknüpft für mich. Heute noch am Strand bei 25°C, morgen in München bei 0°C. Dazu kamen dann auch noch ein paar Sachen, die mir sofort prägnant ins Auge gesprungen sind: daheim laufen sie alle mit Griesgramgesichtern rum (liegt wohl am Wetter), alle sind in schwarz-grau gekleidet (im Sénégal wird man von der Farbenpracht auf den Strassen richtig geblendet) und viele der dicken Leute sind in München einfach nur schwabelig (die doch sehr ausladenden afrikanischen Mamis strahlend immer eine gewisse Würde und Eleganz aus, vorallem durch den sehr aufrechten Gang).
Was auch nicht so einfach war die ersten Tage: ich war 8 Monate nicht daheim, für mich haben sich neue Welten erschlossen und eröffnet. Und München kam mir so vor, als ob sich gar nichts geändert hätte: immer noch ungelöste Stadionfrage, Rinderwahnsinn und die selben Baustellen. Wie bei meiner Abreise. Klar, das Leben ging auch in München weiter: Trennungen, neue Beziehungen und vor allem die Kinder meiner Freunde sind alle viel, viel grösser als vorher. Also kam der von mir erwartete Kulturschock erst bei meiner Rückkehr. Aber dies haben sie uns schon in der Vorbereitung gesagt, dass die (endgültige) Rückkehr Schwierigkeiten bereiten wird.
Erholsam war auch, wieder mal gescheide Musik zu hören (M 94,5 und FM 4). Hier im Sénégal herrscht das Rede-Radio vor, viel Information, Diskussion oder einfach nur doofes Gelabere.
Anstrengend war natürlich auch, dass ich hundert mal die gleichen Geschichten erzählen musste. Aber glücklicherweise wart ihr ja auch alle an meinen Erlebnissen interessiert, anders wärs schon sehr frustrierend gewesen.
Und durch meine Bilder und Erzählungen konnte ich ein bisschen meine Realität Sénégal mit euch teilen. Das hat mir schon geholfen wieder in München “anzukommen”.
Auf die häufig gestellte Frage, was ich denn nach meinem Sénégalaufenthalt mache, kann ich nur sagen “weiss ich noch nicht”. Aber wie auch viele von euch meinten “Der Musti gehört einfach nach München!” So wirds wohl sein. Was mir halt schon abgeht, sind meine Familie und meine Freunde, das ganze langbewährte, lang erprobte soziale Umfeld. Das können auch die neuen Freunde nicht ersetzen. Und in München darf ich auch meiner alten Leidenschaft, dem Granteln, nachgehen. Woanders bin ich nur Gast. Und als Gast kann ich nicht so über die Missverhältnisse granteln, wie ich möcht. Auch meine politische-aktive Seite geht woanders verloren. In München war ich jahrelang in der Umweltpolitik aktiv, war auf Demos und hab in Vereinen mitgearbeitet. Meine Arbeit hat zwar auch politischen Charakter, aber ich bin doch immer der Auswärtige und irgendwie ist es ja nicht meine Heimat und daher ist es auch egal, ob sie vorwärtskommen oder nicht.
Zurück in Dakr bin erst mal krank geworden. Nicht allzu schlimm, es fing mit etwas Fieber an, dann war es ein paar Tage wieder ok. Und dann, schlimme Halsschmerzen und Fieber. Der Arzt konstatierte “angine”, auf deutsch Mandelentzündung. Nun nehm ich also Antibiotika und 3 andere Medikamente. Und bin vollkommend stoned!
In der Arbeit geht es genauso weiter wie bisher. Es hat sich nichts wesentliches geändert.
Vor kurzem war Manuela in Dakar. Sie arbeitet für das EFP (das Programm mit dem ich hier bin) in Burkina Faso und ist die Kollegin von Inga, die ich in der Vorbereitung kennengelernt hatte. Manuela war vorher auf den Cap Verdischen Inseln Urlaub machen. Sie meinte, die Inseln an sich sind zwar recht nett, aber als Urlaubsland doch nicht so geeignet. Manuela war von Dakar insofern beeindruckt, da es eine richtige Stadt ist, in der es alles zu kaufen gibt, die richtige Hochhäuser hat, Autobusse. Und Sénégal erscheint ihr im Vergleich zu Burkina Faso stinkreich. In Dakar sind die meisten Leute gut gekleidet, und einigermassen wohlgenährt. Ouagadougou, die Hauptstadt von Burkina Faso, ist mehr ein Dorf, mit Sandstrassen, keine richtigen Restaurants, alles versinkt im Chaos. Man könnte es eher mit Kaolack vergleichen. Und Inga mailte mir, dass sie mit 12 stündiger Verspätung von Brüssel aus in Ouagadougou angekommen ist. Diesmal war aber SABENA dran Schuld!
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