Steinzeithoehlen und Kanufahren

frankreich

Wenn ihr so meine Eintraege lest, dann denkt ihr euch sicherlich, der macht ja eh bloss Urlaub da drunten. Naja, an den Wochenenden will ich natuerlich schon was von der Gegend sehen. Dafuer arbeite ich auch unter der Woche recht hart. Jaja, das stimmt.

Es ist sehr interessant, einer neuen Firma / einem neuen Buero beim Wachsen zuzusehen. Was fuer uns z.B. sehr wichtig ist, ist unser Warenwirtschaftssytsem, welches ich gerne mit einem Bus vergleiche. In Muenchen haben wir einen Super-Duper-Luxus-Bus stehen, der fuer Fahrer (=MHH-Team) und fuer unsere Kunden allen nur erdenklichen Luxus bietet. Hin und wieder mal wird ein Ersatzteil beschafft, die Klimaanlage erneuert oder bequemere Sitze eingebaut. Aber der Bus rollt!
Hier in Toulouse hatten wir zu Anfang die Einzelteile und die Bauplaene rumliegen und los ging es. Mittlerweile wuerd ich sagen steht das Busskelett, der Fahrersitz ist da, der Motor auch, aber weder Tueren noch Fenster. Und die Kunden wollen schon mitfahren, denn die ersten 3 (!) Bestellungen haben wir schon. Dabei fallen immer wieder die Schrauben raus, der Motor stockt und was weiss ich nicht alles. In dem Chaos heisst es dann Ueberblick bewahren mit meinem Kollenen Eric und unserer Sektretaerin Laurence.
Zu allem Uebel bricht dann immer wieder mal die Internetverbindung nach Tuebingen zusammen und Eric hat Probleme mit den Versicherungen, die alles daran tun, bloss kein Risiko einzugehen. Eric nennt das „gestion des monopols“, d.h. in Frankreich wird alles dafuer getan, ja keine Konkurrenz zu den staatlichen Unternehmen aufkommen zu lassen. In Deutschland kann man ja ohne weiteres seinen Stromversorger wechseln, weil die Eu das so will. In Frankreich kommt man an der EDF (=staatlicher Strommonopolist) nicht vorbei und der franzoesische Staat zahlt lieber eine saftige Strafe, als das Monopol zu zerbrechen. Vive la grande nation!
Die Firma, die sich um die Einrichtung des Servers kuemmern soll, kommt auch nur sporadisch, von der France Telekom, die einiges an der Telefonanlage verbessern sollen hat sich auch noch keiner blicken lassen und wir arbeiten noch auf provisorischen Schreibtischen. Was hab ich da heute gelacht, wie ich auf sueddeutsche.de ueber das Chaos bei den neuen Steuer-Ids gelesen habe. Wir sind also auch nicht so viel besser.

Aber genug gejammert und ueber die Arbeit erzaehlt, ihr wollt ja wissen, was ich im „Urlaub“ mache. Die letzten Tage hat mich Kerstin, eine langjaehrige Freundin aus Green City Tagen besucht. Und letzten Samstag sind wir wieder zu meinen Freundennach Foix, um dann die Hoehle von Bedeilhac zu besichtigen Dort gibt es neben den ueblichen, ueberaus interessanten Tropfsteinen auch noch einige Hoehlenmalereien. Das hab ich zum ersten Mal gesehen. Bisons und Rehe (gemalt und geritzt), Handabdruecke an der Wand und sogar kleine Modellierungen. Warum nur haben unsere nomadischen Vorfahren das vor 15.000 Jahren gemacht? Denn gelebt haben sie im Eingangsbereich, wo es hell und warm war. Aber die Kunstwerke sind 1km im Hoehleninneren, dort ist es kalt, man braucht eine Fackel und der Weg ist nicht gerade ungefaehrlich. Die Vermutung liegt Nahe, dass es sich hier um kultische Zeichnungen handelt, evtl. Anbetung von Jagd- und Fruchtbarkeitsgoettern, denn auch „Steinzeitporno“ war zu sehen (eine Vagina und ein Phallus). Die Fuehrung war auf jeden Fall hoechst interessant.
Am lustigsten war der Ballon (aus einem besonderen Plasitk), den das Luft- und Raumfahrtinstitut der Uni Toulouse in einem Seitenbereich zu Forschungszwecken aufgestellt hat. Es heisst, der Ballon wuerde bald abgeholt werden – seit 6 Jahren!

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Am Sonntag sind wir dann, bei herrlichstem Sonnenschein, in der Naehe von L’Isle-en-Dodon auf dem Flueschen Gesse Kanu gefahren. Die Idee stammte von Kerstin, die das schon des oefteren gemacht hatte. Zum Glueck hatte jeder ein eigenes Kanu, denn ich hatte genug zu tun, um auf dem doch recht traegen Fluesschen nicht an das Ufer zu fahren. Und ein Hoch auf das Hartplastik, denn so viel Wasser hatte die Gesse auch nicht und so sind wir hin und wieder mal ueber die Steine gekratzt. Auch dieser Fluss war schoen im Schatten und wir glitten in aller Ruhe dahin, neben uns Libellen in glitzerndem Blau, Vogelgezwitscher und das Plaetschern des Flusses. Und eine enorm grosse Bisamratte haben wir aufgescheucht (Foto siehe auf wikipedia). Nach 12,5km waren wir am Ende der Tour, ich war geschafft, leichte Schmerzen in den Oberarmen und im Schulterbereich, ist ja eh klar.
An der Endstation ergab sich dann noch ein fantastisches Farbenspiel: Ich sah gegen einen Anhoehe auf ein Sonnenblumenfeld. Da nun bald Erntezeit ist, lassen die Sonnenblumen die Koepfe haengen und ich sah den zitronengelben Ruecken der Blumenkoepfe. Dazwischen blitzte das saftige Gruen der Stengel durch. Ueber der Anhoehe standen bluetenweisse Wolken und darueber ein babyblauer Himmel. Das Feld war eingesaeumt von dunkelgruenen Baeumen und links hinten lugte ein roetliches Backsteinhaus hervor. Besser haette es auch VanGogh nicht zeichnen koennen.

So, nach getaner Arbeit bin ich heute noch bei lockeren 25 Grad durch die Stadt gebummelt, hab mir am Fluss Garonne den herrlichen Sonnenuntergang angesehen und hoere gerade den Live stream von FM4-Radio, meinem Lieblingssender von Daheim.

2 Antworten auf „Steinzeithoehlen und Kanufahren“

  1. Herr Burkert, mit dem Outfit da oben haben Sie sich jetzt aber mal ganz klar den Titel „Stilikone des Monats“ erobert – hällisch :-)

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