Wärme und Kälte

Während ich euch diese Zeilen schreibe sitze ich im saukalten München bei 15°C und frier mir einen ab. Am vorigen Donnerstag noch saß ich bei angenehmen 25°C beim Eric auf der Terrasse zum Mittagessen.

Einige werden jetzt denken, dass ich extra wegen dem Wiesnanfang (=Oktoberfest=Bierfest) zurückgekommen bin. Nein, falsch gedacht! Dieses Massenbesäufnis für Preißn und Touristen hat nichts mehr mit dem Fest zu tun, wie ich es von früher her kenne und lasst mich mittlerweile ziemlich kalt. Seit etwa 5 Jahren ist die Wiesn das reinste Tollhaus. Konnte man z.B. 1999 noch ohne weiteres mit vier oder fünf Leuten auf die Wiesn gehen und ohne Probleme einen Platz im Bierzelt oder im angeschlossenen Biergarten finden, so schreiben nun die München Tageszeitungen im Juni 2008 (die Wiesn beginnt etwa 3 ½ Monate später), dass alle Sitzplätze in den Bierzelten schon reserviert seien. Ich muß dann nicht mit Tausenden anderen Wahnsinnigen 2 Stunden vor dem überfüllten Bierzelt stehen, um dann irgendwann doch noch reinzukommen. Es gibt andere Gelegenheiten, wo es schöner und gemütlicher ist.

Aber nun genug gemosert. Der Grund meines Kurzaufenthalts ist der 70. Geburtstag meines Vaters, den wir am Samstag in allen Ehren und mit einigem Trara gefeiert haben. Und was gibt es Neues aus Toulouse?
Auch dort hat der Herbst vor etwa 10 Tagen Einzug gehalten. Das vorige Wochenende war grau, windigkalt und mit leichten Regenschauern versehen. Morgens ist es mit 15°C doch recht frisch, mit Sandalen in die Arbeit radeln ist nicht mehr drin. Und auf den Feldern liegen die Morgennebel wie eine Bettdecke. Aber Mittags merkt man halt doch, dass man im Süden ist, die Sonne brutzelt dann noch angenehm warm.
Dieses Herbstwetter war gerade recht, um mal über die verschiedenen Märkte in Toulouse zu stolpern. Es gibt Obst- und Gemüsemärkte, auf denen die Bauern aus der Region anbieten und Markthallen, in denen hochwertige Lebensmittel angeboten werden. Am schönsten fand ich den Sonntagsmarkt an der Kirche St. Aubin. Um die Kirche herum findet dieser Markt statt, gesäumt von Ahorn und Pappeln und Häusern mit schmiedeeisernen Balkonen. Auf diesem Markt kann man z.B. ein Huhn in all seinen Daseinsformen kaufen. Vom Ei, über das noch lebende Huhn bis zum verarbeiteten Huhn in allen (un)möglichen Formen: als Grillhendl, als Pastete, roh und gerupft usw. In den Obststeigen liegen Unmengen von Pfirsichen und Nektarinen aus der Umgegend, dunkelblaue Feigen und die verschiedensten Melonen sind gerade abgeerntet. Und Schwammerl sind auch zu kaufen, vor allem Steinpilze und Reherl. An einem Standl gab es leckere Makronen in 10 verschiedenen Geschmacksrichtungen zu kaufen. Da konnt ich nicht nein sagen.
Anschließen bin ich zur Kirche St. Sernin, um im naheliegenden Museum die römische Frühgeschichte von Toulouse (=römisch Tolosa) zu studieren. Um St. Sernin herum stieß ich unvermittelt auf den Kleidermarkt, der von Nordafrikanern beherrscht wurde. Turnschuhe und Jacken, glitzernde Kaftans und Kopftücher für die Damen, Koranrezitationen und Teppiche. Umgangssprache beim Handeln waren irgendwelche arabischen Dialekte und ich fühlte mich ein wenig wir auf einem Souk (=Markt) in Marokko. Das Museum und die römischen Funde waren aber dennoch interessanter.

Ach ja, zum Thema Maghreb hab ich noch eine nette Anekdote. Mit meinem Elsässer Spezl Guillaume war ich an seinem letzten Abend noch im marokkanischen Restaurant „El Riad“. Da an diesem Abend das Wetter schon kühl und regnerisch war, saßen wir wie alle anderem im Restaurant. Die Decke und die Wände mit schönen Mosaiken und Kacheln verziert, ein kleiner Springbrunnen im Eingangsbereich und ein wahnsinnig leckeres Couscous. Als wir dann grad so schön beim Essen waren, uns war gerade gemütlich warm, wurde die Musik auf einmal lauter. Alle schauten wir erstaunt und dann kam aus einer Ecke des Restaurants eine Bauchtänzerin her. Meine Herren, es war eh schon so warm in der Bude, aber die Dame heizte noch mal ordentlich ein. Wie einen Schlange konnte sie jeden einzelnen Wirbel bewegen, locker mit der Hüfte zum Rhythmus schwingen und ihre Figur… ned schlecht. Komischerweise erzeugen solche Darbietungen immer einen leicht debil-grinsenden Gesichtsausdruck bei Männern!

Aber nun zum Ernst des Lebens, der „Picknick-Steuer“, die einige Tage lang in der französischen Presse diskutiert wurde. Das Thema Recycling und Umweltschutz steckt in Frankreich noch in den Kinderschuhen. Zwar gibt es auch in Toulouse überall Plastikflaschen für Wasser und Limo zu kaufen, ein Flaschenpfand wie bei uns ist aber gänzlich unbekannt. Und zum allseits beliebten Sonntagspicknick nimmt der Durchschnittsfranzose nun mal Plastikbecher, Plastikteller und Plastikbesteck mit. Und gerade auf diese Plastikartikel soll eine Steuer erhoben werden. Die Presse macht dann daraus einen Niedergang der Picknickkultur im allgemeinen und der französischen Kultur im Besonderen.

Unser Büro ist in einem typischen französischen Büroviertel, mit langweiligen 08/15-Bürobaracken. Aber jeden Mittwoch gibt einen besonderen Service, das Bügelauto. Das ist ein Art Laster, der bei uns z.B. auf dem Märkten steht und Käse oder Wurst verkauft, und da kann man seine Hemden hinbringen und sie später wieder gebügelt abholen. Ich hab den Service zwar noch nicht in Anspruch genommen, aber ich find’s Klasse.

Was unser Büro angeht, so geht es weiter voran. Der französische Markt funktioniert aber anders als der deutsche, eh klar. Haben wir in Deutschland auf dem PV-Markt hauptsächlich Vertriebsingenieure, als Ingenieure, die gleichzeitig auch verkaufen, so werden alle Sachen in Frankreich, egal ob Auto, Waschmaschine oder eben PV-Anlage von reinen Verkäufern an den Kunden gebracht und bei technischen Problemen hilft der Ingenieur aus dem hauseigenen bureau d’étude (=Technikerbüro)aus. Also ganz scharf nach Innen- und Außendienst getrennt. Ich hab mal gehört, dass sich ein französischer Ingenieur nie zu so etwas Niederem wie dem reinen Verkauf herablassen würde. Tja, andere Länder, andere Sitten.

So, dass war’s dann mit einem Zwischenbericht aus München. Am Montag geht’s Spätnachmittags zur „zweiten Halbzeit“ zurück nach Toulouse.

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