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musti am 10. Dezember 2000.
Kategorien: Musti im Senegal.
Es ist 2. Advent, tagsüber etwa 30°C, dagegen abends und nachts empfindliche 18°C oder sowas. Da braucht man dann schon ein Hemd oder einen Pulli. Bei so einem Wetter kommt bei mir gar keine Weihnachtsstimmung auf und die Plastikchristbäume in den Restaurants und den grossen europäischen Läden entlocken mir nur ein Grinsen. Anfang Dezember bin ich in den Score (eine französische Supermarktkette) und hatte zum ersten Mal im Sénégal Christbaumschmuck gesehen. Breites Grinsen meinerseits. Als aber dann ein als Nikolaus verkleideter Senegalese um die Ecke kam, konnte ich mir mein Lachen nicht mehr verkneifen. Es war einfach zu komisch, ich im Tshirt und sommerlich gekleidet und die anderen spielen Weihnachten.
Zur Zeit ist in allen muslimischen Ländern der Ramadan, die Fastenzeit. Er begann im Sénégal dieses Jahr am 28.11. und wird am 28.12. mit Korité, dem Zuckerfest, beendet werden. Die Regeln des Ramadan sind ziemlich strikt :
Zwischen 6 Uhr und 19 Uhr darf weder gegessen (man darf auch nicht beim Kochen das Essen abschmecken sondern muss ausspucken), getrunken (was ich für sehr gravierend halte) und geraucht werden. In ganz harten Fällen spucken die Leute auch ihren Speichel aus und schlucken ihn nicht. Während des ganzen Ramadan darf man nicht fluchen und nix Böses denken, man soll viel beten (noch mehr als sonst) und mit den Mädels rummachen ist auch nicht vorgesehen.
Harte Zeiten für Muslime!
Kranke, Schwangere und Reisende sind ausgenommen, sollten die “Fehltage” aber nachholen. Das ganze Spiel geht nun so ab, dass die Leute gegen 5 Uhr aufstehen und Frühstücken wie ned gscheid. In Kaoalck, wo ich neben einer Koranschule wohne, werden kurz vor 6 Uhr noch ein paar Gebete gesprochen. Dann ist es erst mal wieder ruhig. Den ganzen Tag hängen die Leute dann bloss noch rum (noch mehr als sonst schon) und sind kurz vorm Abkratzen. Zur Zeit geht es ja noch, da es relativ kühl ist, aber wenn der Ramadan in die heissen Monate April und Mai fällt oder in die Erntezeit, dann kann das gerade für die älteren schlimme Folgen haben. Abends kurz vor 19 Uhr darf dann das Fasten gebrochen werden. Die erste Mahlzeit ist traditionell Datteln (die Lieblingsspeise des Propheten), Brot, Butter und Kaffee. Später wird dann richtig gegessen.
Man wird dann oft von den Senegalesen gefragt, ob man denn auch fastet. Ich antworte immer, nein, ich bin Christ und wir fasten vor Ostern. Ich muss jedoch ehrlich zugeben, dass ich mich nicht mehr genau erinnere, was die christlichen Fastenregeln besagen. Ich weiss nur noch, dass man nix essen darf, aber vom nix trinken stand nie nichts in der Bibel und so haben die netten Mönche das Starkbier erfunden. Gesegnet seien diese Mönche! Vielleicht gibt es ja unter meinen Lesern ein paar, die mir da weiterhelfen können.
Beendet wird der Ramadan dann endgültig mit Korité, wo einfach gross gefeiert und gegessen wird. Was genau passiert weiss ich nicht und zu der Zeit bin ich auch gerade in München. Da aber Weihnachten und Korité dieses Jahr fast aufeinanderfallen, hab ich mir sagen lassen, dass in Familien, die christliche und muslimische Mitglieder haben eine dreitägige Dauerfete stattfinden wird.
Ein anderes interessantes Thema im Sénégal ist die Post. Von ein paar von euch bekomme ich auch hin und wieder normale Briefe, von meinen Eltern hin und wieder Fresspakete mit Pumpernickel, jaaaa! Wer einen ordentlichen Posteingang haben will, schafft sich ein Postfach (boîte postale) an. In Kaolack soll es angeblich auch einen Briefträger geben. Es gibt aber an keinem Haus Briefkästen, die Post wird direkt im Haus abgegeben. Bei bis zu 10 Kindern ist ja eh immer wer zu Hause. Schwieriger wird die Sache bei Päckchen und Paketen. Im Normalfall bekommt man einen kleinen Abholzettel, ich gehe aufs Paketpostamt, gehe von einem Büro ins nächste, der Zoll durchsucht das Päckchen und nachdem ich 1000 FCFA (=3DM) gezahlt habe, darf ich es mitnehmen. Eine Sache von einer halben Stunde. Beim letzten Paket war das jedoch ein bisschen komplizierter. Mit dem Zettel musste ich erst aufs Hauptpostamt gehen.
Dort suchte die Dame erst mal ewig in den vielen anderen Zetteln rum, legte mir dann endlich einen zum Unterschreiben vor und händigte mir danach einen weiteren Abholschein aus. Mit diesem solle ich in das Postamt an der rue Malick Sy gehen. Also weiter. Dort angekommen präsentierte ich den Abholschein am Schalter. Ewiges Rumsuchen brachte nix zu Tage, ich wurde in die Tür nebenan zum Zoll geschickt. Dort präsentierte ich meinen Schein einem ersten Mann, der mich hiess, den Abholschein gegenüber im Télécentre zu kopieren und dann wiederzukommen. Das Original und die Kopie legte ich einem zweiten Mann vor, der mit mir in die Pakethalle ging, mein Päckchen öffnete und es einer strengen Kontrolle unterzog. Vor allem die in Alufolie eingewickelen Diafilme erregten sein Misstrauen. Aber alles ging glatt und ohne mein Paket wurde ich zu einem dritten Mann geschickt, der sorgfältig alle Daten wie Herkunft, Gewicht (geschätzt), Wert (geschätzt) usw. in zwei dicker, grosse Bücher niederschrieb. Jetzt durfte ich zur Kasse (vierter Mann) und 2200 FCFA zahlen. Mit der dort erhaltenen Rechnung ging ich nun endlich an den Schalter, um meine Post entgegenzunehmen. Die grosse überraschung folgte noch.
Meine Mutter hatte das Paket am 30.08 abgeschickt, anscheinend war es schon Mitte September in Dakar angekommen, ich hatte die Benachrichtigung jedoch erst Mitte November erhalten. Und diese Lagerzeit liessen sich diese Halunken teuer bezahlen, mit über 5000 FCFA (=15 DM). Das ist ein Haufen Geld, ein gutes Essen in einem teuren Restaurant! Der ganze Vorgang hat etwa 2 Stunden in Anspruch genommen, aber wir haben ja Zeit hier. Wenn ihr also einem afrikanischem Freund eine Freude machen wollt, schickt ihm ein Paket und sorgt dafür, dass es lange irgendwo liegenbleibt. Er wird nur schwerlich die Summe zum Auslösen aufbringen können.
Am 5. Dezember hab ich nun meinen senegalesischen Motorradführerschein in Kaolack gemacht. Nur den theoretischen Teil, ein Praxistest ist nicht vorgesehen, wen interessiert das schon? Das ganze war schon ein ziemliches Erlebniss. Kurz vor 8 Uhr morgens war ich beim Service Régional des Transports, zusammen mit etwa 100 anderen Prüflingen wartete ich im Vorhof. So gegen 9 Uhr kamen dann die 3 Mitarbeiter des Service auf die Veranda und riefen die Namen der Angemeldeten auf, die sich mit “présente” zu erkennen gaben.
Dies dauerte schon eine gute Weile. Nach und nach wurden die einzelnen Gruppen zum Test gebeten. Kurz vor 10 Uhr war dann ich mit meiner Gruppe dran. Wir gingen ins Büro des Chef de Service und zwängten uns auf eine rohgezimmerte Holzbank und ein paar Stühle. Dann fragte mich der Chef, ob ich denn den Test lieber schriftlich machen wolle, da die mündliche Prüfung auf Wolof sei.
Also wieder raus ins Vorzimmer. Dort wurde ich an ein wackeliges Tischchen gesetzt und der Chef legte mir eine Kopie des Antwortbogen (multiple choice) und das Büchlein mit den 25 Fragen vor. Dieses Büchlein war natürlich aus Frankreich, dazu noch aus den 1950ern. Da waren Verkehrsschilder drin, die es weder im Sénégal gibt (Parkscheibe, hahaha) und die auch ich noch nie gesehen hatte. In einer Viertelstunde versuchte ich so viel wie möglich zu lösen, auch mit Hilfe meines Wörterbuches. Oder weiss von euch einer was Fernlicht auf französisch heisst??
Nebenbei nervte mich der Vorzimmerknecht immer wieder mit seiner Fragerei, ob denn die Zeit schon um sei. Ich war mir nicht ganz sicher, ob der in der Lage war, die Uhr zu lesen. Naja, jedenfalls wurde mir versichert, dass ich bestanden habe. Demnächst werde ich mir meine attestation abholen. Das ist einfach nur einen Wisch, der als Führerscheinersatz gilt, weil der Echte wie immer im Sénégal ewig dauert. Nun darf ich ganz legal ein Motorrad bis 125ccm fahren, im Sénégal jedenfalls. Ob ich den Schein irgendwie nach Deutschlad übertragen kann, wage ich zu bezweifeln.
(Auflösung zur Führerscheinfrage : les feux de route!)
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