Superberti

Bekenntnisse eines Groupies (weiblich)
I.

Superberti waren eine Band die keine Band war. Sondern mehr eine Lebensphilosophie und eine Art die Welt zu sehen, die uns allen ermutigend zurief: go out and enjoy yourself & don’t be afraid of being a popstar. In your living room. And outside. Inspiriert von der herzerwärmend grossartigen Attitüde: here’s one chord, here’s another – now go and form your own band! traten sie in die ideologischen & praktischen Fussstapfen der grossen FSK (und damit indirekt des höchst verehrenswerten samtigen Untergrunds (formerly known as Velvet U.)….) und betraten die Bühnen der Stadt. Dort angekommen setzte sich der coolste Bassist der Welt auf ein bereitgestelltes Klappstühlchen und begann die Seiten zu zupfen in einer Art & Weise, die bei Teilen des weiblichen Publikums zu Reaktionen führte, die nur als ausserordentlich zu bezeichnen sind (und die wir hier leider nicht genauer beschreiben können!) (aber die Phantasie von Dir, lieber Leser, kann hier sicher aushelfen) Die Diskussionen unter Groupies sind bis heute nicht zum Erliegen gekommen: lag es am perfekt drapierten Halstuch? Am verschmitzten Grinsen? Oder doch an den unnachahmlich gelben Schuhen der noch viel unnachahmlicheren Geigerin alias Lead- und Liedsängerin?

Franz singt Gack singt

II.

Liebe Surfer, Leser, Groupies und andere Erdenbewohner. In der Fortsetzungsgeschichte der heutigen Nacht werde ich Euch berichten, warum „Liebe tut weh“ in der Superberti / Franz Kohnle Fassung die beste Coverversion der Welt ist. Das nur mit Hilfe trockener Worte deutlich zu machen ist eine ganz schöne challenge, to say the least (Worte sind schwerer zum Klingen zu bringen und können daher die Seele nicht so leicht fliegen lassen wie ein Song. But i’ll try anyway.)
Singen ist auf die verschiedensten Arten möglich. Man kann dazu eine gute Stimme verwenden oder auch: gar keine. Oder sprechen. Oder mit den Tiefen angeben (wie J. Cash) – oder, wenn man Billy Holiday ist: sich einfach hinstellen, den Mund aufmachen und sich mitten hineinsingen in alle Herzen. Oder wenn man die ebenso grosse Hilde Knef ist: ohne jegliche Opernsängerstimmbänder wunderbare Schauder über Rücken jagen. Es kommt also nicht so sehr auf die stimmvolumliche Ausgangsbasis an, sondern was draus gemacht wird. Wenn in einer Stimme die Seele mitklingt, wenn im Augenblick des Singens die Worte nicht nur ausgesprochen, sondern gefühlt sind: dann können wir etwas wahrhaft Grosses hören. Was das Gefühl gibt nicht alleine zu sein auf dieser Welt. Und das ist doch etwas Wunderbares.

Bekenntnisse eines Groupies (männlich)

Der folgende Text stand ursprünglich nur im Gästebuch. Gut dass mal jemand etwas über die Band Superberti schreibt:

Also das letzte mal, als ich in ein Gästebuch geschrieben hab, das ist schon eine Ewigkeit her und das war glaube ich in Wirklichkeit gar kein Gästebuch sondern das Gipfelbuch vom „Gwamperten Schrofen“, einer sanften Anhöhe in den nahe gelegenen Alpen, die per Lift bequem erklommen werden kann
So muss ich zugeben: es ist nicht leicht was sinnvolles zu erdichten, das sich auch noch anhört als wäre es unheimlich intelligent, witzig und außerdem noch wahr, was sich fast schon ausschließt. Aber wenns denn die Superberti-Netzseite ist, und also Superberti draufsteht, dann soll auch Superberti drin sein.
Also muss ich mal tief in der Truhe meiner spärlichen Erinnerungen kramen und so spontan ohne größeres Intellektualisieren und Pop-Gesülz fallen mir die unvergesslichen Szenen auf einem der eigentümlichsten Konzerte ein, das ich je besucht habe…
Das Konzert war glaub ich irgendwo im Hasenbergl, im dunkelsten Unterholz dieser Stadt, im suburbanen Dickicht und wie sollte es anders sein in einem Jugendzentrum. Und hätte ich nicht schon in Erwartung schlimmster Entbehrungen vorsichtshalber bereits 6 Bier verinnerlicht, dann wäre ich wohl im letzten Augenblick doch noch geflüchtet. In der Schlange vor mir standen so cirka 3 Leute, aus deren Gesichtern einem die nackte Angst entgegensprang, keine Karten mehr zu bekommen. Wie sich später rausstellte hatten alle außer ich selbst Freikarten. Dafür war das Bier billig, keine unwichtige Nebensache auf Konzerten.
Den Konzert-Raum muß man sich als ein Quadrat vorstellen, zwei Drittel seiner Fläche war die Bühne, den Rest teilten sich die Tonmeister und die qualitativ hochkarätige Zuhörerschaft. Letztlich kommt es darauf eben auch an, wenn man Musik macht: Wer hört mir zu, nicht wieviele und wenn man die Sache so sieht so bleibt festzuhalten: auf keinen der Zuhörer hätte man verzichten wollen, alle unentbehrlicher Bestandteil dieser einmaligen Show, alles versippt und verschwägert, kurzum eine richtige Mischpoke.
Vom Konzert schließlich habe ich nur noch Schemenhafte Erinnerung, weil: Von dem vielen Biere kömmt die Tumbenheit herfüre. Eine der schillernsten Figuren dieses Abends war sicher der Chrissl, der stand mit irgendeinem alten und hoffnungslos kaputten Plattenspieler auf der Bühne und drehte beflissen an den Knöpfen. Sphärenklänge! Und Rauschen in zwei Tonhöhen. Aber es ging hier ja auch weniger darum, irgendwelche törichten Melodeien wiederzugeben, vielmehr galt es damals, die Geschichte des Phonographen innerhalb dieser Performance eindrucksvoll zu visualisieren, also zurück zu den Wurzeln, soll heißen: Klänge und Geräusche wiederzugeben, die das Hin und Her einer akustisch schwingenden Membran als Spur in eine rotierende Scheibe geschnitten hatte. Und letzterer Satz ist mit letzter Gewissheit ein Zitat und wer es errät von wem, der kriegt vom mir eine Freikarte fürs nächste Superberti-Konzert und mindestens ein Bier in der Zone des nächstmöglchichen Augustiner-Bieres. Bitte die Antwort bis spätestens 1.August an meine E-Postadresse.
Nun: neben den Philosophen gabs ja auch noch Musiker: So die Gack mit ihrer tolle Geige, die den Sprechgesang vom Franz eindrucksvoll untermalte. Überhaupt ist es nicht nur eine ausgesprochene Frechheit sondern außerdem eine wirklich gute Idee den Werbetext eines Heiratsinstituts vom Baltt abzulesen. Das war wahsinnig überzeugend!
Als ich den Konzertraum nach kurzer Abstinenz (Schläfchen auf der Rutsche des nahegelegenen Spielplatzes) wieder betrat, da kam es mir so vor, als würde da jemand was erzählen der was versteht von der Liebe. Und wer weiß, vielleicht sind auch Heiratsinstitute nicht so schlecht wie ihr Ruf. In Wirklichkeit war res natürlich auch die Stimme, die Aura, das pathetisch-sonore des Vortrags und nicht so sehr der Inhalt.
Nun darf ich natürlich den Musti nicht vergessen: Mit Akkordeons kenn ich mich aus, weil ich selbst drauf spiele und der Musti war einfach gut, das kann man so einfach sagen, weil es im Grunde einfach ist.
Sicher gäbs noch mehr über Superberti zu sagen, aber nicht von mir, jedenfalls nicht heute. Und ich kann ja auch nicht das ganze Gästebuch vollschmieren, sonst haben ja die anderen keinen Platz mehr…
Eine Frage habe ich noch: Gibt es eigentlich noch diesen in Jute gebundenen Stadtführer in dem Superberti als Kultband frenetisch gefeiert wird. Hätte ich gerne fürs Archiv, aber ihr wahrscheinlich auch, oder?

Grüße an alle Superberti-Fans!
Wolf-Dieter

Eine Antwort auf „Superberti“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.